Demokratie leben und lernen – Schüler*innenmitgestaltung an der ILB

Text © Birgit Pichler und Luzia Bäck (Lernbegleiterinnen)
Fotos © Privat

Schüler*innenpartizipation ist ein wichtiger Teil der Schulkultur an der ILB.

 

Jedes Jahr wählen die Schülerinnen und Schüler ihr Schulsprecher*innenteam – das S*Team. Dieses ist im Schulversuch verankert und hat Sitz und Stimme im Schulforum. Das S*Team vertritt die Schule bei vielen Gelegenheiten nach außen und versucht, Anliegen und Wünsche der Schüler*innen innerhalb der Schule durchzusetzen.

 

Das S*Team

 

Das S*Team ist immer geschlechterparitätisch besetzt. Es besteht aus den vier Schulsprecher*innen, die aus dem C-Cluster sein müssen und durch alle Schüler*innen an der ILB gewählt werden sowie vier bis sechs Clustersprecher*innen aus den Clustern A und B. Diese werden von ihrer jeweiligen Altersgruppe gewählt.

 

Das S*Team besteht derzeit aus vier Schulsprecher*innen und vier Clustersprecher*innen.

 

Aufgaben des S*Teams

Die Mitglieder des S*Teams entscheiden immer im Team. Jede*r Schüler*in der ILB kann sich persönlich, über den Briefkasten oder bei Versammlungen an seine Vertreter*innen wenden. Wöchentliche mindestens einstündige Sitzungen des S*Teams sind Pflicht, reichen aber bei Weitem nicht aus um die vielen Aufgaben zu meistern. Auch außerhalb der Schulzeit wird gearbeitet. Keine leichte Aufgabe! Häufig geht es um die Genehmigung von Feiern und Festen. Oft bleibt die Organisation ebenfalls in den Händen des S*Teams.

 

Auf Schüler*inneninitiative beruhen zum Beispiel der Schulball für die Größeren, die Schulparty für die jungen Kinder, das Sportfest zum Schulschluss und das gemeinsame schulweite Halloweenfest.

Die neuen Reckstangen im Hof, das Aufstellung eines Milchautomaten, die Beratung bei der Essensbestellung, die Teilnahme an Kundgebungen, das Aushandeln von Unterstützungen mit dem Elternverein sind nur einige Aufgaben, die bereits bewältigt wurden. Es gibt auch Beispiele erfolgloser Initiativen, wie Spinde für alle des Ausgangs- und Übergangsclusters, anhand derer Frustrationstoleranz geübt werden kann.

 

 

Die wichtigsten Elemente der Schüler*innenpartizipation an der ILB

Die Vollversammlung heißt „Schüler*innenparlament“ und ist offen für alle an Mitbestimmung interessierten Schüler*innen der ILB. Sie findet zwei bis dreimal jährlich statt und dient der Information, der Kandidat*innenfindung und ermöglicht Urabstimmungen.

 

Im Schulforum haben die vier Schulsprecher*innen Sitz und Stimme. Dieses Recht ist für diese Altersgruppe ungewöhnlich und ein Herzstück des Schulversuchs.

 

Das S*Team trifft sich zu wöchentlichen, moderierten Sitzungen. Es arbeitet gleichberechtigt, das heißt es besteht kein Stellvertreter*innenprinzip. Zusätzliche Sitzungen gibt es vor Veranstaltungen (Schulforum, Ball...). Repräsentation der ILB nach außen (Delegationen empfangen, Interviews, Tag der offenen Tür...) sowie der Besuch von Schulungen durch WienXtra gehören ebenfalls zu den Tätigkeiten.

 

Die Arbeiten des Teams sind vielfältig und werden möglichst nach Neigung und Interesse verteilt.

Ideen, Wünsche, Anliegen und Beschwerden der Schüler*innen werden entgegengenommen, diskutiert, weitergeleitet und verhandelt. Aus den “Wahlprogrammen“ der gewählten Kandidat*innen ergeben sich weitere Arbeitsschwerpunkte.

Klassensprecher*innentreffen werden vom S*Team organisiert und finden in regelmäßigen Abständen zur Erleichterung des Informationsflusses statt.

Je nach Aufgabenstellung (Fridays for Future, Schulball, Schulparty...) gibt es noch Projektteams, also Unterstützer*innen für die Arbeiten an den durchgesetzten Projekten.

Pädagogische Begleitung des S*Teams (Luzia Bäck und Birgit Pichler)

Luzia Bäck

Meine Aufgabe ist es, das Team von der Wahl bis zum Schulschluss zu coachen, bereits davor bin ich für die Einschulung der Wahlkommission und die organisatorische Durchführung der Wahl zuständig. Ich unterstütze alle Vorhaben im Hintergrund und bewahre die Gruppe möglichst vor "Auftragswerken" - denn ob ein Job "etwas für die Schulsprecher*innen" wäre oder nicht entscheidet das Schulsprecher*innenteam.

Die Vermischung von Anbahnung demokratischer Entscheidung und deren ganz praktischer Durchführung ist durchaus gegeben. Es sprengt leider die Grenzen, mittels regelmäßiger Abhaltung des Schüler*innenparlaments - der Vollversammlung aller Schüler*innen - genügend Rückkopplung zu erreichen und gegebenenfalls Arbeitsgruppen zu bilden. Die Klassensprecher*innentreffen sind eine Möglichkeit, die allerdings oft einmal an der eher losen Verankerung des Systems in den einzelnen Stammgruppen scheitert. Ein Lernprozess.

Es ist manchmal sehr anspruchsvoll, die Jugendlichen zur zusätzlichen Arbeit neben den Herausforderungen des Schulalltages zu motivieren und ihnen den Rücken freizuhalten. Nicht immer trifft das zusätzliche Engagement auf Verständnis. Da es sich um ein großes Team handelt, können die "Mühen der Ebene" aber durchaus bewältigt werden.

Auch die Delegations- und Erwartungshaltungen mancher Kinder an das Team sind eine durchaus harte Schule auf dem ersten Schritt ins Ausüben eines politischen Amtes. Ganz wie im echten Leben, eben.

Jedenfalls hatten alle Jugendlichen, die sich dieser Herausforderung einmal gestellt haben ein vielfältiges, sehr praxisorientiertes und wertvolles Übungsfeld, das ihnen - davon bin ich überzeugt - in vieler Hinsicht zugutekommen wird. Ich begleite diese Prozesse sehr gern und bin froh darüber, dass die ILB dieses Lernfeld für alle Beteiligten bietet.

 

Birgit Pichler

An einer so partizipationsfreundlichen Schule wie der ILB die pädagogische Begleitung der Schüler*innenvertreter*innen zu sein, ist ein großes Glück. Die schulrechtlich verankerte Schüler*innenmitgestaltung findet an der ILB vielfältige strukturelle und praktische Ausdrucksformen.

 

Für mich ist sie ein inspirierendes pädagogisches Tätigkeitsfeld. Ich lerne die Schüler*innen dabei zu unterstützen, Bedürfnisse von sich und anderen wahrzunehmen und daraus konkrete Handlungen abzuleiten. Damit die Kinder und Jugendlichen demokratische Prozesse erleben und erlernen und innerhalb derer Selbstwirksamkeit entwickeln können, muss es reale Möglichkeiten der Beeinflussung von schulischen Planungs- und Entscheidungsprozessen geben. Das bedeutet auch, dass die Erwachsenen Verantwortung und damit Macht abgeben müssen.

Ich freue mich, genau das weiterhin zu lernen und zu üben und sehe meine Verantwortung auch darin, dass das Bekenntnis zur Partizipation der Schüler*innen ein strukturierendes Prinzip der ILB bleibt.