Von Schweden bis zur Türkei, von Spanien bis Estland
(Europa-Gäste an der ILB)
"Integration of handicapped children with special needs" - Unter diesem Motto lud das Europa-Büro des Stadtschulrats für Wien vom 29.5. - 2.6.06 fachkundige Gäste aus zahlreichen europäischen Ländern nach Wien zu einem Erkundungstreffen.

Und so erkundeten am 30.5. vormittags etwa 20 BesucherInnen aus Holland, Schweden, Ungarn, Portugal, Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, Türkei, Estland und anderen europäischen Ländern die Integrative Lernwerkstatt in der Brigittenau. Für 4 Gäste aus Frankreich und Italien konnte ein Vater zweier Schüler an der ILB kurzfristig als Französisch-Dolmetsch und Begleiter von Elternseite einspringen.

Da sich bei uns immer viel tut, waren von den 9 Stammgruppen an diesem Tag: die B auf Projektwoche, die D auf einer Tagesexkursion, Kinder aus E und H bei einem Gender-Projekt und all diese Gruppen somit nicht direkt beobachtbar.

Nichtsdestoweniger haben die Gäste in den anderen 5 Stammgruppen den gemeinsamen Alltag unserer SchülerInnen ein Stück weit mit erleben können.
Eine gemeinsame Abschlussrunde mit dem Direktor der ILB, einem Integrationslehrer (Thomas Urschitz), einer Kollegin des Mobilen Motorik-Teams (Mag. Barbara Kriegl) und der zufällig dazu kommenden Leiterin unseres zuständigen Sonderpädagogischen Zentrums, Dir. Andrea Bossler, brachte einige Fragestellungen, die PädagogInnen und Bildungspolitik auch in anderen Ländern bewegen, zur Sprache: die Frage der Ressourcen für diese Arbeit; die Frage der möglichen Grenzen für Integration und der Stellenwert der Elternrechte; die Frage der Grenzen der Belastbarkeit unseres Systems im Hinblick auf die Förderbedürfnisse der Kinder und im Lichte der gegebenen Ressourcen; und ganz besonders die Frage der Fortsetzung (oder auch nicht) der im Grundschulbereich begonnenen Arbeit in den Schulen der Sekundarstufe. Bekanntlich werden die allermeisten der sog. "schwerstbehinderten" Kinder in Wien - und das gilt auch für die ILB - von ihren Eltern nach der Volksschulzeit nicht mehr in Integrationsklassen, sondern in spezielle Schulen (mit kleineren Gruppen, meist ausschließlich spezialisiert auf verschiedene Behinderungsarten) gebracht. Nach Dir. Reichmayr nur eine von vielen negativen Facetten der in Österreich immer noch systematisch betriebenen Aufsplittung der Kinder nach 4 Jahren in verschiedene Schultypen (Sonderschulen, Hauptschulen = Kooperative Mittelschulen und Gymnasien).

Gefragt nach der wichtigsten Erfahrung aus den fast 8 Jahren seit Bestehen der ILB meinte Dir. Reichmayr: "Die Integrationskinder als Herzstück unserer schulischen Arbeit - sie stellen immer wieder am massivsten, am elementarsten die eingeschlagenen Wege und Muster in Frage und fordern uns und unser System stets aufs Neue, aus erstarrten Trampelpfaden auszubrechen, neue und kreative Lösungen zu versuchen."
Diesen Artikel haben die Teilnehmer nach ihrem Besuch in mehreren Schulen zusammengestellt (englisch)

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